Jede Lektion als pdf-Datei

Comrade Language ...

... so hieß die (neben Ask Ayi) originellste Kolumne der Pekinger Programmzeitschrift Beijing Scene. Das 14-täglich zwischen 1995 und Frühjahr 2000 erscheinende Blatt gab der Amerikaner Scott Savitt heraus, der zuvor fünfzehn Jahre in China gelebt hatte - als Student und als Journalist der Agentur UPI.

Als Ausländer in Peking eine Programmzeitschrift herauszugeben konnte vorderhand nur als abenteuerlich angesehen werden in einem Land, dessen Nachrichten damals wie heute streng von der herrschenden Partei auf Sauberkeit kontrolliert werden. Mehr noch aber vor dem Hintergrund des völlig desolaten Kulturbetriebs der chinesischen Hauptstadt. Für Fremde jedenfalls waren weder das Theater-, noch das Kino-, noch das Fernsehprogramm von Interesse und auch nicht die Medienlandschaft. Abgesehen von den Inhalten sorgten schon Schriftzeichen und chinesische Sprache dafür, daß die Barbaren außen vor blieben. Das Pekinger Kinoprogramm eines ganzen Jahres ließe sich leicht auf einer Seite des Berliner Tip unterbringen.

Allerdings brauchten die ca. 100.000 als Leser in Frage kommenden Fremden gerade in dieser Wüste etwas mehr als nur das Home Box Office-Fernsehprogramm, China Daily und die ewigen luncheons, dinners und barbecues mit immer den gleichen Leuten.

Beijing Scene brachte Farbe und -vor allem- Humor in ihr Leben. Der speiste sich aus den unzähligen chinesischen Charakteristika des Lebens in Peking, die die Kolumnen Ask Ayi und -als Sprachkurs getarnt- eben Comrade Language in unnachahmlicher Weise an die Barbaren herantrugen. Nicht wenige (auch ich) warteten immer ungeduldig auf die nächste Ausgabe der Scene. Das Batt wurde ein Erfolg -auch wirtschaftlich- und schließlich eine Institution.

Das fiel freilich auch den Behörden auf. Zwar unterhielt Herausgeber Savitt nicht gerade billige $-Kooperationsbeziehungen sogar zum Parteiblatt Volkszeitung, doch mehrten sich ab 1999 die Besuche der sozialistischen Staatsmacht in der Redaktion. Mal wurden Computer mitgenommen, mal das Erscheinen unterbrochen... Im Frühjahr 2000 war dann endgültig Schluß. Was passierte mögen Interessierte hier nachlesen. Eine kurze Geschichte der Beijing Scene, verfaßt von Scott Savitt, finden Sie hier.

Ich habe die Comrade Language-Folgen aus der verwaisten website der Scene geholt und werde sie nach und nach mit den dazugehörigen chinesischen Schriftzeichen rekonstruieren sowie die Umschrift mit den Ton-Angaben einfügen und sie -Lektion für Lektion- hier plazieren. Wegen der Wiedergabe der Schriftzeichen geht es nur als pdf-Datei. Der Genosse soll übrigens ein Hongkonger sein. Sein Name ist mir bislang unbekannt.

Jörg-M. Rudolph

Leider ist es mir bislang noch nicht gelungen, den Schriftfont zur Darstellung des ersten und dritten Tons in die pdf-Dateien einzubinden. Er wird daher bei Nutzern, die den WordPerfect Multinational Font nicht besitzen vermutlich mit einem unpassenden Ersatz dargestellt. Beim Öffnen der pdf-Datei weist der Acrobat Reader auf einen Font-Fehler hin, was Sie aber mit "OK" wegklicken können.

 

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